Hospitalkirche Heilig-Geist

Hospital
Spittel früher

Hospitalkirche Heilig-Geist

Das Heilig-Geist-Hospital, im Volksmund auch „Spittel“ genannt, prägt seit Jahrhunderten das Stadtbild von Gartz.

Die Hospitäler erfüllten wichtige soziale Funktionen in der Mittelalterlichen Gesellschaft.

Für Angestellte der Kirche, die ein Anrecht zur Altersabsicherung hatten, bestand die Möglichkeit im Alter in ein Hospital aufgenommen zu werden.

Ebenso konnten sich Bürgen mit Vermögen in ein Hospital einkaufen. Auch im Verlauf späterer großer Epidemien nahm der Bedarf an Einzelräumen zu und die Hospitäler wurden baulich erweitert.

Der heutige Bau wird in das 14./15. Jahrhundert datiert.

Eine Heilig-Geist-Kapelle bestand aber vermutlich schon zu Zeiten der Verleihung des deutschen Stadtrechts 1249 und wurde vom Nonnenkloster der Stadt betreut.

Im Jahr 1280 erfolgte die erste Benennung eines heute nicht mehr vorhandenen Bauwerkes „Heilig-Geist“. Dieses wurde in zwei Urkunden, in Zusammenhang mit dem Nonnenkloster in Gartz, erwähnt.

Ab 1790 wurden Umbaumaßnahmen am Heilig-Geist-Hospital durchgeführt. Im Kirchenschiff und Turm wurde eine Geschoßdecke eingebaut. Die ursprünglichen mittelalterlichen Fenster wurden durch barocke Stubenfenster an Nord- und Südfassade in zwei Achsen zu je zwei Fenstern ersetzt. Es wurden acht Wohnräume und Kochstellen geschaffen.

Die Hospitaliten mussten zur Aufnahme folgende Kriterien erfüllen: Nur die Alten und Schwachen, Eheleute und verwitwete Bürger, sowie auch ledig gebliebene Bürgertöchter mit unbescholtenem Lebenswandel, wurden ins Hospital aufgenommen. Die Männer mussten ein Alter von mindestens 60 und die Frauen von 55 erreicht haben.

Die Hospitalanlage in ihrer ab 1790 hergestellten Bauform mit Fachwerkanbauten und Einbauten hatte bis 1989/90 Bestand und wurde auch bewohnt.

Ab 1990 wurden in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde die Fachwerkanbauten und die Wohneinheiten einschließlich der Geschossdecke abgebrochen. Die in Teilen noch sichtbaren Spitzbogenfensteröffnungen an den Längsseiten des Gebäudes wurden wieder hergestellt. Die entstandene Wandöffnung durch den Abriss des Anbaus an der Rückseite wurde mit Mauerwerk geschlossen. Es erfolgte die Sanierung von Innenraum, Dach und Fassade. Später wurde die zweiflüglige Eingangstür und die Turmluke denkmalgerecht vom Gartzer Tischlermeister Lutz Hegeholz restauriert. Ermöglicht wurde das durch die Initiative und Mitteln des Heimatvereins, sowie einer Spende der Jagdgenossenschaft.

Seit 2000 wird der „Spittel“ für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.