Gartzer Oderbrücke - Brückenpfeiler


Die Gartzer Oderbrücken
Ein fester Oderübergang war schon vor mehr als 700 Jahren die Bedingung für eine bessere Stadtentwicklung. Viele Jahre vertrieben Händler verschiedenste Waren auf den Marktplätzen und am Oderufer. Dabei war auch der Kontakt mit den Kaufleuten östlich des Flusses sehr wichtig. Aus diesem Grund wurde ab 1308 die erste Gartzer Oderbrücke für Verkehr und Handel genutzt. Sie war aus Holz errichtet und verband die Ufer der Oder. Daran anschließend baute man stabile Knüppeldämme durch das Bruch bis nach Hinterpommern. So war Gartz vorteilhaft nach allen Himmelsrichtungen mit anderen Städten verbunden, vor allem mit Stettin. Der Wohlstand wuchs durch Privilegien und Handel. Die erste Brücke der damals reichen Stadt bestand bis 1630.
Im selben Jahr zerstörten die Kaiserlichen Truppen in wenigen Tagen, was Jahrhunderte gehalten hatte.
Als Gartz 1720 preußisch wurde, lagen beinahe hundert Jahre Krieg und Zerstörung, Not und Elend hinter den Bewohnern. Es begann eine relativ friedliche Zeit, in der sich das Land stabilisierte. Der Wiederaufbau einer Brücke rückte in den Bereich des Vorstellbaren. Erstmalig wurde 1782 der Antrag dafür gestellt und von der königlichen Regierung abgelehnt. 11 Jahre später erneuerte man den früheren Antrag, der wieder abgelehnt wurde. Trotz hartnäckiger Bemühungen des Gartzer Magistrats zogen sich die Verhandlungen für den Bau einer neuen Brücke bis 1925 hin!
Überzeugen konnte letzten Endes die Begründung, dass die Oderwiesen-Wirtschaft eine wichtige Einnahmequelle der Stadt war. Für die Sicherung eines guten Einkommens durch gewinnträchtige Heuernten bewilligte die Regierung nun endlich eine Wirtschaftsbrücke. Sie wurde aus Stahlbeton gebaut. Die Vorfreude in Gartz und Umgebung, sehr bald mit Pferd und Wagen in das Bruch fahren zu können, währte nur kurz. Im September 1926 stürzte ein Teil des Brücken-Neubaus ein, dabei starben mehrere Handwerker. Auch an sie wird auf einem Gedenkstein in Ufernähe der letzten Brücke erinnert. 1927 wurde eine Notbrücke aus Holz und Pontons errichtet, damit der Wiesenschnitt erfolgen konnte. Zwei Jahre später entstand dann eine stabile Wirtschaftsbrücke aus Stahl. Diese letzte Gartzer Oderbrücke endete wie die erste vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Wieder war ein Krieg der Grund für die Zerstörung: Am 1. April 1945 erfolgte die Sprengung durch deutsche Soldaten.
Als Folge des Zweiten Weltkrieges wurde die Oder zur Staatsgrenze nach Polen erklärt. Gegenüber den alten Brückenpfeilern steht am Stadtufer ein großer, dreiteiliger Bogen aus Holz, Stahlbeton und Stahl. Im Rahmen eines Projektes „Kunst am Radweg“ entstanden, symbolisiert er die Bauart der drei ehemaligen Flussübergänge.
Heute gibt es vermehrt Überlegungen, die schöne Oderlandschaft für Besucher auf beiden Seiten des Flusses zu öffnen. Die Geschichte der Gartzer Oderbrücken könnte damit eine Fortsetzung finden. Eine Fußgängerbrücke auf den alten Pfeilern würde interessierten Menschen den Zugang in die seit Jahrzehnten naturbelassene Landschaft ermöglichen.








