Polizeiruf 110 aus Wüsterow

Amt Gartz (Oder), den 13.05.2017

Tantow: Hochburg und Heimat der Kriminalität. Dieses verzerrte Bild von Tantow wird vermittelt, wenn ein örtlicher Bundespolizist in seinem privaten Internetblog Polizeimeldungen von der Ostsee bis zum Erzgebirge veröffentlicht. Und nun das: Die 364. Folge der Krimireihe "Polizeiruf 110" spielte in einem kleinen Dorf bei Tantow.

 

"Muttertag" ist der Titel des Falls der Krimi-Serie "Polizeiruf 110", der am 14. Mai 2017 ausgestrahlt wurde: Eine männliche Leiche wird nachts im krummen Wald bei Greifenhagen (Gryfino, Polen) gefunden. Zeugen haben ein Auto mit deutschem Kennzeichen am Tatort gesehen. Die Kriminalhauptkommissare Olga Lenski und Adam Raczek werden gerufen und ermitteln nun gemeinsam zum dritten Mal im deutsch-polnischen Grenzraum. Vor allem dreht es sich beim „Muttertag“ um Enrico und seine Mutter Heidi Schoppe. Der junge Mann ohne berufliche Perspektive lebt in dem verlassenen Dorf Wüsterow an der Grenze zu Polen. Die Mutter hält die beiden mit Putzjobs über Wasser. Heidi Schoppe ist eine Mutter, die wie eine Löwin für ihren Sohn kämpft, die den Gedanken nicht zulassen will, dass ihr Kind etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Enrico Schoppe ist ein hoffnungsloser junger Mann, der nicht weiß, wohin sein Weg führen soll. Ein trostloser, aber sehenswerter „Muttertag“, so der Kölner Stadtanzeiger

 

Die Orte, an die die Ermittler geführt wurden, zeugen von der Ortskenntnis des in der Uckermark lebenden Regisseurs Eoin Moore.

 

Krummer Wald bei Greifenhagen

Der krumme Wald bei Greifenhagen, wenige Kilometer hinter der Grenze, bietet einen faszinierenden Anblick: Die Stämme von 94 Kiefern sind dort in einer Höhe von rund 40 Zentimetern über dem Boden um 90 Grad geknickt, um dann in einem Bogen wieder in die Senkrechte zu wachsen. Die Nachrichtenagentur PAP hat den Wald als "einmaligen und mysteriösen Ort" beschrieben. Nicht zu Unrecht, denn die Ursache für diese ungewöhnlichen Baumformen im Wald ist bis heute nicht eindeutig geklärt worden. Es gibt verschiedene Theorien. Eine nennt Magnetfelder als Grund für die ungewöhnliche Wuchsform, eine andere wiederum sieht darin das Ergebnis von Zauberei. Auch gibt es den Erklärungsansatz, dass der Wald 1934 ein Versuch deutscher Förster war, speziell gekrümmte Hölzer zu züchten. Ebenso wurden bereits Naturkatastrophen oder Gift im Boden als mögliche Ursachen in Erwägung gezogen. Wahrscheinlicher ist jedoch eine andere Erklärung: Demnach hat ein Forstwirt die Spitzen der noch jungen Kiefern als Weihnachtsbäume verkauft. Dabei sicherte er sich über Seitentriebe geschickt weitere Holzernten.

 

Wüsterow bei Tantow

Der Verdächtige Enrico Schopp lebt in Wüsterow, einem Dorf bei Tantow - so die Märkische Oderzeitung. "Willkommen in der Wüste" bemerkte Kommissar Adam Raczak angerichts der Tristesse im Ort: Arbeitslosigkeit, Zigarettenschmuggel, Diebstahl und Alkohol am Steuer. Frei nach dem Motto: Wenn du abends in der Stadt auf einer Feier fünf  Bier trinkst, giltst du als Alkoholiker. Auf dem dem Dorf bist du der Fahrer.

 

Gedreht wurde aber nicht in Tantow in der Uckermark, sondern vor allem in Groß Ziethen im Barnim. Tantow eine kleine Gemeinde im Amt Gartz (Oder). Bekannt ist Tantow vor allem als letzter Halt der Regionalzüge vor Erreichen der polnischen Großstadt Stettin (Szczecin, Polen) mit 407.000 Einwohner. Die Einwohnerzahlen in Tantow sind auch aufgrund des Zuzuges junger Familien aus Stettin stabil. Es leben hier 765 Menschen, davon 133 Neubürger mit polnischem Hintergrund. Ein Kindergarten, eine Grundschule und ein Dorfkonsum bestimmen das beschauliche Leben. In Tantow lebt auch ein in Greifenhagen arbeitender Polizist, der sich als Gemeindevertreter und Feuerwehrmann in seiner neuen Heimat engagiert.

 

"Mellis Oase" in Groß Ziethen

Der Film wurde im Herbst 2016 in Groß-Ziethen gedreht, unter anderem im örtlichen Gasthaus "Zum Schwanenteich" von Wilfried Hanelt, im Polizeiruf bekannt als "Mellis Oase".

 

Stand: 16.05.2017

(14.05.2017, 13.05.2017)