Ausbau mit zweitem Gleis gefordert

Amt Gartz (Oder), den 14.03.2017

Der Ausbau der Bahnstrecke von Berlin nach Stettin (Szczecin, Polen) verzögert sich weiter. Wesentliche Fahrplanverbesserungen für das nächste Jahrzehnt erwartet Amtsdirektor Frank Gotzmann derzeit aufgrund des mangelnden Investitionswillen des Bundes nicht mehr. Dabei geht es nur um ein kurzes Teilstück zwischen Passow und Stettin.

 

Die Stettiner Bahn, die Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Stettin, nahm 1843 den Betrieb auf. Bereits 1873 war die gesamte 138 km lange Strecke zweigleisig befahrbar. 1945 wurde das gesamte zweite Gleis als Reparationsleistung abgebaut. Die Deutsche Reichsbahn verlegte 1974 von Berlin bis Passow das zweite Gleis wieder und elektrifizierte 1985 diesen Teilabschnitt. Die an sich zweigleisige elektrifizierte Strecke ist seitdem auf dem Streckenabschnitt von Passow bis Stettin auf einer Länge von 40 km nur eingleisig und nicht elektrifiziert. Durch diese Infrastrukturlücke wird die Betriebsführung auf der gesamten 138 km langen Strecke erheblich eingeschränkt und behindert die wirtschaftliche Entwicklung in Berlin, in Stettin und des dazwischen liegenden ländlichen Raumes.

 

Im April 2003 begannen die Verhandlungen über ein Abkommen zum Streckenausbau. Die ministerielle Arbeitsgruppe verhandelte dann über acht Jahre bis 2011. Der vorgelegte Vertrag war enttäuschend schlecht. Das Leitmedium in Polen, die Gazeta Wyborcza, bezeichnete den Inhalt als "Farce". Nach weiteren Verzögerungen wurde das Abkommen erst im Dezember 2012 unterzeichnet und nach weiteren vier Jahren in 2016 ratifiziert.

 

Selbst Bahnchef Rüdiger Grube erklärte im September 2015, die Bahnstrecke zwischen Berlin und Stettin bis 2020 zweigleisig und elektrifiziert auszubauen. Das zeitnahe Wiederverlegen des zweiten Gleises trifft auf breite Zustimmung. Tantows Ortsvorsteherin Silke Natter als auch Brandenburgs Verkehrsministerin Katrin Schneider fordern ein zweites Gleis – genau wie der Landrat des Landkreises Uckermark Dietmar Schulze und der Stadtpräsident von Stettin Piotr Krzystek.

 

Im Bundesverkehrswegeplan vom März 2016 wurde der Ausbau zwischen Passow und Stettin als Maßnahme in den vordringlichen Bedarf hochgestuft und hat damit eine Chance auf eine Realisierung. Allerdings soll nach diesem Plan bis 2024 nur der eingleisige Abschnitt elektrifiziert werden. Amtsdirektor Frank Gotzmann: Wenn man die Ausbauvarianten nüchtern betrachtet, ist das zeitgleiche Verlegen des zweiten Gleises und die Elektrifizierung der verbleibenden Lücke von 40 km notwendig und vernünftig. Die Kriegsschäden müssen nach 72 Jahren endlich beseitigt werden.

 

Stand: 14.03.2017